Zweifamilienhaus, Bonn 53229
Komplettsanierung bis auf den Rohbau. Zwei Wohneinheiten, beide mit Fußbodenheizung, eine gemeinsame Wärmepumpe — und eine Gebäudehülle, die den Effizienzhaus-55-Standard trägt.
Die Ausgangslage
Ein Zweifamilienhaus im Bonner Osten mit dem für seine Baualtersklasse typischen Profil: ungedämmte oder nur schwach gedämmte Außenwände, alte Fenster, eine fossile Heizung am Ende ihrer Nutzungsdauer und eine Elektroinstallation, die für Wärmepumpe, Wallbox und Photovoltaik nicht ausgelegt war. Die Wärmeverteilung lief über Heizkörper mit hoher Vorlauftemperatur.
Der Auftrag lautete nicht „Heizung tauschen“, sondern: das Gebäude so umbauen, dass es dauerhaft mit einer Wärmepumpe wirtschaftlich zu betreiben ist — und dass beide Wohneinheiten unabhängig voneinander nutzbar bleiben.
Die entscheidende Weichenstellung
Weil Hülle und Anlagentechnik im selben Projekt saniert wurden, konnten wir die Heizlast auf den Zustand nach der Sanierung rechnen, nicht auf den Bestand. Das ist der Unterschied zwischen einer Wärmepumpe, die zur alten Hülle passt, und einer, die zur neuen passt: kleiner, günstiger in der Anschaffung, mit längeren Laufzeiten und weniger Takten.
Die zweite Weichenstellung war die durchgehende Flächenheizung. Sie erlaubt eine Auslegungs-Vorlauftemperatur im Bereich um 35 °C statt 55 °C — und damit eine Jahresarbeitszahl, die den Betrieb überhaupt erst wirtschaftlich macht.
Zwei Einheiten, eine Erzeugung
Bei Zweifamilienhäusern ist die Frage nach getrennter oder gemeinsamer Wärmeerzeugung eine Kostenfrage mit Folgen. Eine gemeinsame Anlage ist deutlich günstiger und effizienter als zwei kleine. Sie erfordert aber ein sauberes Konzept für Einzelraumregelung und verbrauchsabhängige Erfassung, damit jede Einheit unabhängig regeln und korrekt abrechnen kann. Genau das wurde hier von Anfang an mitgeplant — nicht nachträglich improvisiert.
Umfang
Was ausgeführt wurde.
Wärmeerzeugung
- Rückbau und Entsorgung der Bestandsheizung
- Luft-Wasser-Wärmepumpe, ausgelegt auf die Heizlast nach Sanierung
- Pufferspeicher und Warmwasserbereitung
- Inbetriebnahme durch den Heizungsbaumeister
Wärmeverteilung
- Fußbodenheizung in beiden Wohneinheiten
- Rohrnetz- und Heizkreisauslegung
- Einzelraumregelung je Einheit
- Hydraulischer Abgleich nach Verfahren B
Gebäudehülle
- Dämmung der Außenwände
- Dachdämmung mit luftdichter Ebene
- Neue Fenster mit Dreifachverglasung, RAL-Montage
- Lüftungskonzept nach DIN 1946-6
Elektro
- Neuer Zählerschrank auf TAB-Stand
- Komplett neues Leitungsnetz
- Vorbereitung für Wallbox und Photovoltaik
- Netzwerkverkabelung, Einzelraumregelung
Sanitär
- Erneuerung der Wasser- und Abwasserleitungen
- Bäder je Wohneinheit, bodengleiche Duschen
- Vorwandinstallation mit Schallschutz-Entkopplung
Innenausbau
- Trockenbau und Grundrissanpassungen
- Estrich und Bodenbeläge, flächenheizungsgeeignet
- Wandoberflächen, Maler- und Fliesenarbeiten
- Übergabe besenrein mit Dokumentation
Was wir daraus mitnehmen
Das Projekt zeigt den Regelfall unserer Arbeit deutlicher als jede Beschreibung: Der Effizienzhaus-Standard war nicht das Ergebnis eines einzelnen Bauteils, sondern des Zusammenspiels. Die Hülle senkt die Heizlast, die gesenkte Heizlast erlaubt die kleinere Wärmepumpe, die Flächenheizung erlaubt die niedrige Vorlauftemperatur, die niedrige Vorlauftemperatur bringt die Jahresarbeitszahl.
Wäre eines dieser Elemente von einem anderen Gewerk isoliert geplant worden, hätte am Ende irgendetwas nicht gepasst — meistens die Wärmepumpe, weil sie zuerst bestellt wird.
Hinweis zu den Angaben
Aus Rücksicht auf die Eigentümer nennen wir keine vollständige Adresse. Gemessene Verbrauchswerte veröffentlichen wir erst nach einer vollständigen Heizperiode; berechnete Werte stammen aus den Planungsunterlagen und sind im Rahmen einer Besichtigung einsehbar.
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