Fassade & Außenwand
Die Außenwand ist meist die größte zusammenhängende Fläche eines Gebäudes — und damit der größte einzelne Wärmeverlust. Sie ist zugleich das Bauteil, bei dem eine falsche Entscheidung die teuersten Folgeschäden verursacht.
Dämmen heißt, den Taupunkt zu verschieben.
Jede Dämmmaßnahme verändert den Temperaturverlauf in der Wand — und damit den Ort, an dem Wasserdampf kondensiert. Wird außen gedämmt, wandert dieser Punkt in die Dämmschicht und das Mauerwerk bleibt warm und trocken. Wird innen gedämmt, wandert er nach innen, hinter die Dämmung, an die Grenzfläche zum kalten Mauerwerk.
Innendämmung ist deshalb bauphysikalisch anspruchsvoll — aber sie ist nicht gefährlich, wenn man rechnet. Wir führen für jede Innendämmung eine Feuchteschutzbetrachtung durch, bei kritischen Konstruktionen als instationäre hygrothermische Simulation. Wer Innendämmung ohne diesen Nachweis anbietet, verkauft ein Risiko mit.
Der Reihenfolgefehler, der oft passiert
Fassade dämmen, danach die Heizung tauschen — und das Angebot für die Wärmepumpe basiert noch auf der alten Heizlast. Wir berechnen die Heizlast immer auf den Zielzustand nach vollständiger Sanierung. Bei einer Dämmung der Außenwand von 30 auf 200 mm sinkt sie erfahrungsgemäß erheblich; eine danach ausgelegte Wärmepumpe ist kleiner, günstiger und läuft ruhiger.
Drei Systeme
Welches Verfahren zu Ihrer Wand passt.
Die Wahl hängt an der Wandkonstruktion, am Erscheinungsbild und daran, ob die Fassade erhalten bleiben muss.
WDVS — Außendämmung
Wärmedämmverbundsystem auf der Außenseite, verputzt. Bauphysikalisch der sicherste Weg, beste Wärmebrückenreduzierung, das Mauerwerk bleibt als Speichermasse im warmen Bereich. Voraussetzung: Die Fassade darf verändert werden.
Typisch: 140–200 mm, U-Wert bis 0,20 W/m²K für die BEG-Anforderung.
Kerndämmung — Einblasverfahren
Bei zweischaligem Mauerwerk mit Luftschicht wird der Hohlraum über Bohrungen mit Dämmstoff verfüllt. Sehr schnell, sehr günstig, das Erscheinungsbild der Fassade bleibt vollständig erhalten — insbesondere bei Sichtklinker.
Voraussetzung: Endoskopische Prüfung des Hohlraums auf Breite, Mörtelbrücken und Feuchte.
Innendämmung — Denkmal
Wenn die Fassade erhalten bleiben muss. Kapillaraktive Systeme wie Calciumsilikat oder Holzfaser mit Lehmputz können anfallendes Kondensat aufnehmen und wieder abgeben.
Immer erforderlich: Feuchteschutznachweis, Detailplanung an Balkenköpfen und einbindenden Innenwänden.
Leistungsstufen
Außenwanddämmung — drei Stufen zur Wahl.
| GEG | BEG · empfohlen | Luxus | |
|---|---|---|---|
| Dämmung | EPS-WDVS 120–140 mm (WLG 035) | EPS oder Mineralwolle 160–200 mm, nicht brennbare Ausführung im Bedarfsfall | Holzfaser oder Mineralwolle 200–240 mm, diffusionsoffener Aufbau |
| U-Wert | bis 0,24 W/m²K (GEG-Anforderung) | bis 0,20 W/m²K (BEG-Anforderung) | bis 0,15 W/m²K |
| Oberfläche | Mineralischer Oberputz, Standardfarbton | Silikonharz- oder Silikatputz, Farbton frei, Sockel mit Perimeterdämmung | Edelputz, Riemchen, Naturstein oder hinterlüftete Vorhangfassade |
| Details | Laibungsdämmung, Standard-Anschlussprofile | Laibungen, Rollladenkästen, Attika und Sockel wärmebrückenoptimiert detailliert | Zusätzlich Detailplanung für Balkone, Vordächer und Gesimse |
| Nebenleistungen | Gerüst, Untergrundprüfung, Entsorgung | Zusätzlich Versetzen von Fallrohren, Leuchten, Außensteckdosen und Hausnummer | Zusätzlich Fassadenbeleuchtung und vorbereitete Leerrohre für Nachrüstungen |
In allen Stufen enthalten
- Untergrundprüfung: Haftzugfestigkeit, Ebenheit, Altbeschichtung
- Bauteilbezogene U-Wert-Berechnung
- Wärmebrückenbetrachtung an Laibung, Sockel und Traufe
- Gerüststellung, Abdeckung und Entsorgung
- Fachunternehmererklärung für den BEG-Antrag
Was wir nicht machen
Wir dämmen keine feuchte Wand. Aufsteigende Feuchte, defekte Horizontalsperren oder Schlagregenschäden werden vor der Dämmung behoben — sonst schließt die Dämmung das Problem ein und macht es unsichtbar.
Und wir bieten keine Innendämmung ohne Feuchteschutznachweis an, auch nicht auf ausdrücklichen Wunsch. Das ist kein Formalismus: Der Nachweis ist der einzige Grund, warum wir für das Ergebnis geradestehen können.
Fassade sanieren?
Nennen Sie uns Baujahr, Wandaufbau — wenn bekannt — und ob Denkmalschutz oder eine Erhaltungssatzung greift. Damit lässt sich meist schon sagen, welches System infrage kommt.